Kaum eine Kunstform verbindet Menschen so unmittelbar wie der Tanz – und kaum eine besitzt eine so faszinierende Geschichte wie der Gesellschaftstanz. Seit mehr als 800 Jahren begleitet er die Menschen durch unterschiedlichste Epochen, Kulturen und gesellschaftliche Veränderungen. Vom rituellen Kulttanz der Urvölker bis zu modernen Tanzstilen wie Salsa oder Rock’n’Roll spiegelt der Gesellschaftstanz stets den Zeitgeist seiner Epoche wider.
Zu Beginn der Menschheitsgeschichte tanzten Männer und Frauen häufig getrennt voneinander. In manchen Kulturen war Frauen das Tanzen sogar untersagt. Die Tänze der Urvölker hatten meist eine tiefere Bedeutung und dienten religiösen oder spirituellen Zwecken. Viele dieser traditionellen Tänze existieren bis heute.
Dabei handelte es sich vor allem um Kulttänze – Tänze für religiöse Zeremonien wie Bitt-, Dank-, Zauber-, Beschwörungs- oder Versöhnungstänze. Sie richteten sich an die Gottheiten der heidnischen Welt und sollten Schutz, Erfolg oder Fruchtbarkeit bringen.
Kriegstänze waren besonders bei indigenen Völkern verbreitet. Tänzer schmückten sich mit Federn, bemalten ihre Körper mit roter Erde und baten durch rhythmische Bewegungen und Gesänge um Sieg im Kampf. Andere Stämme tanzten wild um Feuerstellen, um Gefahren und böse Geister fernzuhalten.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit entwickelte sich Tanz zunehmend zu einer gesellschaftlichen Kunstform. Neben Kirchen und Domen entstanden eigene Tanzhäuser. Das älteste bekannte Tanzhaus wurde bereits 1396 in Augsburg erwähnt.
In der Renaissance galten Tänze als Ausdruck von Bildung und höfischer Eleganz. Besonders beliebt beim Adel waren:
Die Basse danse galt dabei als „Königin der Tänze“, da sie besonders würdevoll und elegant war.
Im Barock standen prachtvolle und repräsentative Tänze im Mittelpunkt:
Die aus Spanien stammende Pavane war ein feierlicher Prozessionstanz, mit dem Könige und Fürsten ihren Reichtum und ihre Macht demonstrierten.
Im Rokoko wurden höfische Tänze noch eleganter und verspielter. Besonders beliebt waren:
Der französische König Ludwig XIV. war ein begeisterter Tänzer. 1663 wurde am Hof von Versailles erstmals ein Menuett aufgeführt.
Zur Zeit Maria Theresias wurde der Straßenfasching verboten. Stattdessen etablierte man festliche Bälle als gesellschaftliche Ereignisse.
Mit der Französischen Revolution veränderte sich auch die Tanzkultur. Die höfischen Tänze wie Menuett oder Gavotte verloren an Bedeutung. Stattdessen entstanden lebhafte Tänze, die besonders bei der jungen Bevölkerung beliebt waren:
Um 1800 entwickelte Tanzmeister Rabensteiner die Quadrille Française. Dabei wurden fünf bekannte Quadrillen mit einem großen Finale verbunden:
1818 wurde dieser Tanz erstmals am königlichen Hof in Berlin präsentiert. Später komponierte Johann Strauss Sohn die berühmte Fledermaus-Quadrille.
Ab 1850 entstanden neue Figurentänze, die in Deutschland „Quadrille à la cour“ genannt wurden. Dabei standen vier Paare in einem Carrée. Die fünf Touren hießen:
Im 19. Jahrhundert entstanden in Wien zahlreiche berühmte Tanzsäle, darunter die Sofiensäle. Gleichzeitig verbreiteten sich Tänze wie Walzer, Polonaise, Polka, Mazurka und Rheinländer.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Tanz zunehmend zu einem internationalen Massenphänomen.
1904 entstand in London die Imperial Society of Teachers of Dancing, die bis heute großen Einfluss auf den Turniertanz besitzt.
1905 wurde die brasilianische Maxixe vorgestellt – der Vorläufer der Samba. Zwei Jahre später fand in Nizza das erste Tangoturnier statt, das damals äußerst umstritten war. Der Tango galt vielen als zu leidenschaftlich und provokant.
1912 wurde in England der Boston populär, doch bald darauf erfasste das Tangofieber ganz Europa. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg kam der Foxtrott nach England und entwickelte sich später zu Quickstep und Slowfox weiter.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden zahlreiche Modetänze:
Während Paris zunächst die führende Rolle im modernen Tanz übernahm, entwickelten die Engländer mit dem Foxtrott ihren eigenen Stil. Seit 1929 gelten Foxtrott, Quickstep, Langsamer Walzer und Tango offiziell als Standardtänze im englischen Stil.
1919 begann das berühmte Blackpool Dance Festival, das bis heute als eines der bedeutendsten Tanzturniere der Welt gilt.
1922 fand in London die erste Weltmeisterschaft im Gesellschaftstanz statt. Der bekannte Tanzlehrer Alex Moore eröffnete kurz darauf seine erste Tanzschule in Kingston.
1936 veröffentlichte Moore sein berühmtes Buch Ballroom Dancing, das den modernen Turniertanz stark prägte.
1950 wurde in Edinburgh das ICBD (International Council of Ballroom Dancing) gegründet. Ein Jahr später wurde auch der Wiener Walzer offiziell als englischer Standardtanz anerkannt.
Am 12. April 1954 begann die große Ära des Rock’n’Roll: Bill Haley & His Comets veröffentlichten den Song Rock Around the Clock.
Parallel dazu setzten sich Swing, Boogie und lateinamerikanische Tänze weltweit durch. In den späten 1950er-Jahren wurde Bossa Nova modern, während 1962 der Madison als erster großer Linientanz der Nachkriegszeit populär wurde.
In den 1990er-Jahren erlebten Salsa und Tango Argentino schließlich einen weltweiten Boom und begeistern bis heute Millionen Menschen.
Die Geschichte des Gesellschaftstanzes zeigt eindrucksvoll, wie eng Tanz mit Kultur, Politik und gesellschaftlichen Veränderungen verbunden ist. Jede Epoche brachte neue Musikrichtungen, Bewegungen und Ausdrucksformen hervor.
Trotz aller Veränderungen bleibt Tanz bis heute eine universelle Sprache, die Menschen auf der ganzen Welt verbindet.
Diese lebendige Tradition findet sich bis heute auch in der Tanzschule Kreuzenstein im Norden Wiens: Wir geben das Wissen und die Freude am Gesellschaftstanz an die nächste Generation weiter – vom ersten Grundschritt bis zur perfekten Choreografie auf der Tanzfläche.
Tanzen verbindet Körper, Geist und Emotion auf eine einzigartige Weise. Studien zeigen: Regelmäßiges Tanzen senkt das Risiko für Demenz, verbessert Koordination und Haltung, baut Stress ab und stärkt das Selbstvertrauen. Vor allem aber bringt Tanz Menschen zusammen. Wer einmal gemeinsam einen Walzer geübt, einen Cha Cha Cha gemeistert oder einen Discofox geschwungen hat, weiß: Tanzen ist Begegnung – mit sich selbst, mit dem Partner, mit der Musik und mit der Geschichte.
Die Geschichte des Gesellschaftstanzes ist nicht abgeschlossen – sie wird jeden Tag neu geschrieben, auf Tanzflächen, in Ballsälen und in Tanzschulen. Wenn auch du Lust hast, in diese faszinierende Tradition einzusteigen, ist die Tanzschule Kreuzenstein der richtige Ort dafür. In unseren Kursen lernst du alle wichtigen Standard- und Lateintänze – vom Wiener Walzer bis zum Cha Cha Cha. Ein Einstieg ist alle vier Wochen möglich. Werde selbst Teil dieser jahrhundertealten Geschichte – wir freuen uns auf dich.